Ich wusste, dass ich Gas geben wollte

In der Finanzwelt führen alle Wege über den Paradeplatz. Derjenige von Alina Kobler fast täglich, denn der Bankenplatz liegt auf dem Weg zu ihrer Arbeit im Riskmanagement einer Grossbank. Die Wege von Thierry Kurtzemann, Schulleiter der Akademie St.Gallen, führen seltener über die Bahnhofstrasse. Da er jedoch für einmal in Zürich weilt, ergreift er die Gelegenheit, eine ehemalige Studentin zum Business Lunch zu treffen. Das Gespräch führt von St.Gallen über Singapur nach Zürich – und zum Schluss in den Wald.

Trotz der beginnenden Ferienzeit herrscht rund um die Zürcher Bahnhofstrasse geschäftiges Treiben. Touristen, Shopper, Banker – die meisten sind gerade auf dem Weg zum Mittagessen. Mittendrin Alina Kobler, 32, Business Risk Managerin bei einer Schweizer Grossbank. Sie trifft sich über Mittag mit ihrem ehemaligen Dozenten und Schulleiter der Akademie St.Gallen, Thierry Kurtzemann. Ein paar Jahre haben sie sich ein wenig aus den Augen verloren, die Freude über das Wiedersehen ist gross.

Thierry Kurtzemann: Alina, schön dich zu sehen. Und dass du dir für ein Mittagessen Zeit nimmst!

Alina Kobler: Sehr gerne, ich habe mich wirklich über deine Nachricht gefreut! Was hat dich eigentlich dazu bewogen, mich zu kontaktieren?

TK: Eines Morgens habe ich dein Update auf LinkedIn gesehen. Bachelor abgeschlossen, neuer Job auf einer Bank in Zürich – ich habe mich sehr für dich gefreut und dachte, da möchte ich mal mehr über deinen Werdegang erfahren.

Dann meldet sich der Hunger und die beiden gehen zielstrebig in Richtung HATO, einem singapurischen Restaurant unweit der Bahnhofstrasse. Auf dem Weg werden alte Erinnerungen aufgefrischt.

TK: Das letzte Mal haben wir auf der Studienreise anlässlich des Official Dinners in Singapur asiatisch gegessen – und zwar im Hotel Mandarin Oriental direkt an der Marina Sands Bay.

AK: Ja, ich erinnere mich noch heute gelegentlich daran. Ein wunderschönes und feines Restaurant – direkt am Pool, mit toller Aussicht auf die beleuchtete Skyline von Singapur. Es war fantastisch. Und etwas aufregend, denn ich war damals zum ersten Mal in Asien unterwegs. Nach den anstrengenden Tagen, Firmenbesichtigungen, Workshops und den vielen Eindrücken, hatten wir richtig Hunger.

TK: Ja, tagsüber in den stark gekühlten Räumen der Firmen und dann abends auf der Terrasse – schwülwarm, aber immer mit einer kleinen Bise vom Meer. Und danach habt ihr dann die verschiedenen Rooftop-Bars getestet.

AK: Ja, da gab es ein paar ganz stylishe. So wild wie andere bin ich den inoffiziellen Teil aber nicht angegangen, genossen habe ich es schon.

TK: Frühmorgens mussten wir dann alle im Business Look vor dem Hotel auf unseren Bus warten. Ich war immer etwas nervös, ob alle rechtzeitig kamen – es warteten schliesslich zum Teil CEOs von Finanzfirmen auf uns. Und Singapur ist wie die Schweiz: Zu spät zu einer Präsentation zu kommen, ist ein absolutes No-Go. Aber letztlich haben es immer alle geschafft – manche allerdings nicht immer in «best shape».

AK: Ich war begeistert von der Möglichkeit, den Finanzplatz Singapur mit seinen vielen Facetten live zu erleben. Ganz speziell die Firmenführungen, der Blick hinter die Kulissen, der direkte Kontakt zum lokalen Management, aber auch zu den Expats…

Die Speisekarte ist schnell studiert und die Diskussion vertieft sich weiter, bis schliesslich das Essen aufgetragen wird. Suppe, Gemüse, Lachs – Singapur Style, natürlich. Nach den ersten Bissen schweift das Gespräch von der Vergangenheit in die Gegenwart.

TK: Wie gefällt dir dein neuer Job? Zürich? Das Arbeiten auf einer Grossbank, Big Business?

AK: Noch bin ich erst ein paar Monate dabei, die jüngste im Team, mitten in der Einarbeitung. Aber mir gefällt es super! Ich werde gut unterstützt und fühle mich sehr wohl.

TK: Das freut mich für dich! Und es macht mich auch ein wenig stolz, schliesslich durften wir deine Karriere durch die Akademie St.Gallen auch ein Stück begleiten.

AK: Mehr als nur ein wenig! Ohne die HF wäre ich wohl nie zu meinem Bachelorstudium gekommen und die ein oder andere Lektion fürs Leben habe ich dabei auch gelernt. Auch mein Ehrgeiz für eine starke Karriere wurde in dieser Zeit angefeuert. Ihr habt meine Motivation damals schon ziemlich gepusht.

TK: Du hast mit dem Kaufmännischen Basiskurs begonnen und es bei uns bis zur diplomierten Betriebswirtschafterin HF durchgezogen. Und jetzt hast du deinen Bachelor gemacht. Du hast ganz schön Biss, das hat man aber schon immer bemerkt.

AK: Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als ich diese Entscheidung getroffen hatte. Frisch von zu Hause ausgezogen, eigene Wohnung, erster Job im Verkauf in einem Modegeschäft. Aber ich wusste, dass ich Gas geben wollte. Deshalb der Wechsel ins Büro mit dem Kaufmännischen Basisdiplom und dann direkt zur HF an der Akademie. Es war eine intensive Zeit, hat aber Spass gemacht und schliesslich wurde mein nächster Job in der Kreditprüfung ja auch zum Einstieg in die Finanzwelt. Für mich war auch immer klar, dass ich einen Bachelor abschliessen möchte, deshalb habe ich mir keine Pause gegönnt und direkt weitergemacht.

TK: Und dies, obwohl du anfangs gar kein Fan der Buchhaltung warst.

Die beiden lachen, bestellen Espresso und widmen sich der Zukunft. Die sieht Alina Kobler weiterhin im Banking. Und in der Weiterbildung, denn für die nächsten Jahre schwebt ihr ein Masterstudium vor.

Es war eine intensive Zeit,
hat aber Spass gemacht!

Alina Kobler
diplomierten Betriebswirtschafterin HF
Bacherlor of Business Administration

TK: Was hat dich damals eigentlich dazu bewogen den Betriebswirtschafter zu machen?

AK: Ich denke es ist ein nötiger Grundstein für jede Managementposition. Ich wollte immer Karriere machen, da ist eine Aus- oder Weiterbildung in BWL in meinen Augen beinahe ein Muss.

TK: Du hast nach dem Abschluss bei uns als Betriebswirtschafterin HF mehr oder weniger direkt einen Bachelor an der HWZ angehängt. Also immer Vollgas, nicht nur im Beruf. Wo holst du die Kraft dafür her?

AK: Da habe ich grosse Unterstützung von meinen zwei kleinen Hunden. Die wollen nämlich jeden Tag raus, am liebsten in den Wald. Da leert sich mein Kopf, ich komme zu mir, atme durch. Und wenn die Zeiten mal besonders anspruchsvoll sind, dann machen wir eine Extrarunde. Das gibt mir die Ruhe und die Kraft, danach wieder konzentriert und effizient an die Sache zu gehen.

TK: Ich habe gesehen, dass du für deine Bachelorarbeit im Bereich “Verhaltensökonomie” eine Auszeichnung für die beste Bachelorarbeit deines Jahrgangs erhalten hast. Hat dir die vorangegangene Diplomarbeit bei uns dabei geholfen?

AK: Ja, ich denke da hatte ich schon einen Vorteil, die Diplomarbeit hatte es in sich und es war beinahe als wäre es schon meine zweite Bachelorarbeit.

TK: Ich muss leider weiter – es hat mich sehr gefreut, dich wiederzusehen! Ich hoffe, es geht bei dir so weiter, wie du es dir wünscht. Ich freue mich auf neue Posts von dir aus der Finanzwelt… Eine letzte Frage noch: Hast du irgendwelche Tipps für unsere aktuellen Studenten? AK: Ich denke das Wichtigste ist, dass man sein Ziel stets vor Augen hat und sich selbst gut organisiert und motiviert. Mir haben bei grösseren Projekten Kanban Boards immer sehr gut geholfen und sonst einfach durchbeissen. Es hat mich auch sehr gefreut dich wiederzusehen und ein paar alte Erinnerungen aufleben zu lassen.

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