Schnapsidee im Staatsarchiv

Das Staatsarchiv des Kantons St. Gallen versteht sich als das «Gedächtnis des Kantons». Es hat sich zur Aufgabe gemacht, wichtige Unterlagen und Informationen zu sammeln, zu strukturieren und sie öffentlich zugänglich zu machen. Im historischen Gebäude vis-a-vis der St. Galler Kathedrale liegt seit Neustem auch eine Diplomarbeit von Absolventen der Akademie St.Gallen. Das freut nicht nur die beiden Autoren Robert Häne und Marek Elias. Auch Thierry Kurtzemann als Direktor der Akademie ist sichtlich stolz auf die Leistung der beiden, als sie sich vier Jahre nach der Diplomfeier auf einen Aperitif treffen.

Im Jahr 2018 schlossen die beiden Jungunternehmer Robert Häne und Marek Elias ihre Ausbildung zum Marketingmanager HF an der Akademie St.Gallen ab. Die abschliessende Diplomarbeit schrieben sie als Team. Sie staunten nun nicht schlecht, als sie Jahre später Post vom Staatsarchiv des Kantons St. Gallen bekamen. Im Brief teilten ihnen die Verantwortlichen mit, «dass ihre Arbeit durchaus einen historischen Bezug zum Kanton entwickeln könnte und sie aus wirtschaftsgeschichtlichen Standpunkten sehr interessant wäre». Dies ist wohl vor allem dem Umstand geschuldet, dass die beiden in ihrer Arbeit einen Businessplan für eine Spirituosenfirma entwickelt hatten, welcher mittlerweile von der Schnapsidee zum etablierten Unternehmen gereift ist. Darauf stossen sie nun mit Thierry Kurtzemann in der St. Galler Süd Bar an.

Thierry Kurtzemann: Herzliche Gratulation zur Aufnahme ins Staatsarchiv! Doch womit stossen wir hier eigentlich genau an?

Robert Häne: Mit BERMONTIS natürlich. Und mit TOGGIUS. Also unserem fruchtigen Kräuterlikör und dem neuen Bio Dry Gin.

Marek Elias: Der ist brandneu, den musst du probieren!

Thierry: Seit wir uns das letzte Mal gesehen haben, ist einiges passiert. Aus eurer Diplomarbeit wurde ein Unternehmen, aus einer Idee ein Produkt. Wie hat das eigentlich alles begonnen?

Robert: Während meiner Lehrzeit vor doch schon längerer Zeit arbeitete ich nebenbei als Barkeeper im Gossauer BBC und begann mich immer intensiver mit Drinks zu beschäftigen. Was mir auffiel, war, dass es kaum etwas gab, das den weiblichen und männlichen Gästen gleichermassen gut schmeckte. Etwas, das sie gemeinsam bestellen konnten. Darüber habe ich zwar lange nachgedacht, aber nichts Konkretes daraus gemacht.

Marek: Robert und ich haben uns während der Zeit an der Akademie kennengelernt und auch beschlossen, dass wir die Diplomarbeit zusammen schreiben wollen. Bei der Themensuche kam er auf einmal mit der Idee eines idealen Aperitifs. Wir haben uns intensiver damit beschäftigt und beschlossen: Wenn wir das anpacken, muss nicht nur das Produkt sehr gut schmecken und aus regionalen Zutaten hergestellt werden – auch der dazugehörige Businessplan muss Hand und Fuss haben.

Thierry: Ich erinnere mich noch, dass ihr euch tief in die Materie reingekniet habt. Was hat euch das für den späteren Erfolg gebracht?

Marek: Eine Spirituose zu entwickeln und ihre Markteinführung zu planen ist eine sehr komplexe Aufgabe. Am spannendsten war natürlich die Rezeptur zu finden, durch endloses Ausprobieren und Degustieren (lacht). Aber die ganzen anderen Aspekte sind mindestens genauso wichtig. Durch die Diplomarbeit waren wir gezwungen, alles seriös und sauber zu machen.

Robert: Wir haben seriöse Markt- und Mitbewerberanalysen gemacht und daraus die Positionierung erarbeitet. Und eine mehrjährige Finanzplanung zu Investitionen, Kosten und Erträgen.

Thierry: Und, ist sie aufgegangen?

Robert: (lacht) Bei Weitem nicht! Wir waren viel zu zurückhaltend.

Marek: Wir wollten mit 600 Flaschen BERMONTIS im ersten Jahr starten, es wurden schliesslich etwa 3’500 daraus. Inzwischen sind wir noch um einiges gewachsen, was wir uns damals wirklich nie erträumt hätten. Die zu tiefe Prognose war aber zum Glück das Einzige, bei dem wir so daneben lagen. Ansonsten haben wir sehr von der Unterstützung der Dozenten profitiert. Die Tipps kamen immer direkt aus der Praxis und haben uns sehr geholfen.

Thierry: Das sind schöne Erfolge. Meint ihr, das Staatsarchiv kam deshalb auf euch zu?

Robert: Bei uns geht es im Kern nicht nur um die Spirituose selbst, es geht vielmehr um den Genuss und die Regionalität. Unsere Inhaltsstoffe kommen von hier, vor allem die Toggenburger Kräuter. Bei unserem neuen Toggenburger Gin, dem TOGGIUS, kommen noch Walliser Aprikosen und Thurgauer Erdbeeren dazu. Alles Bio-Knospe-zertifiziert. Diese Philosophie hat dazu geführt, dass wir mittlerweile auch ein BERMONTIS Kräuterfondue oder Pralinés in Kooperation mit Hirschy anbieten. Vielleicht war dieser Aspekt für das Staatsarchiv ebenfalls interessant, nicht nur der wirtschaftliche Erfolg.

Thierry: Ihr habt viel erreicht, wie soll es nun weitergehen?

Marek: Wir haben sicher nicht vor, uns auf den Lorbeeren auszuruhen. Bisher haben wir jeden Franken aus unserem Unternehmen wieder reinvestiert. So erfüllen wir uns auch Anfang nächsten Jahres einen lange gehegten Traum: eine eigene Destillerie.

Robert: In der Brauerei St. Johann haben wir eine neue Heimat in einem historischen Haus gefunden. Dort werden wir nicht nur unsere Produkte herstellen, wir machen das Ganze auch in Form von Events für Besucher, Gruppen und Firmen zugänglich. Mit unseren Produkten soll dort zusammen mit Bier oder unseren berühmten Toggenburger Käsespezialitäten, beispielsweise «Cheese & Gin», eine kulinarische Erlebniswelt entstehen.

Thierry: Und das immer noch alles nebenberuflich?

Robert: Unser Team ist mittlerweile auf vier Personen angewachsen. Wir beide und Daniel Egli machen das noch alles nebenher, jedoch haben wir seit April 2022 unseren ersten Angestellten im 100%-Pensum. Wie sich das weiterentwickelt, wissen wir noch nicht genau. Im Moment sind wir einfach alle Vollgas bei der Sache!

Thierry: Mit Vollgas, aber sicher nicht kopflos, denke ich?

Marek: Nein, sicher nicht. Da haben wir eine ganze Menge aus dem Studium mitnehmen können. Neben den vielen Praxisbeispielen und den Inputs der Dozierenden auch klassisches Marketing-Handwerk: seriöse Planung, Grundlagen erarbeiten, konzeptionelles Vorgehen. Aber nach der ganzen Strategie muss man es halt auch konsequent umsetzen …

Thierry: Was ist euch – ausser dem Wissen – sonst noch geblieben von eurem Studium?

Robert: Schöne Erinnerungen, ein paar Freundschaften, die bis heute anhalten, und ein Netzwerk an Leuten, die wie wir in der Ostschweizer Wirtschaft unterwegs sind. Schön, die zu kennen!

Marek: So wie zum Beispiel dich, Thierry!

Thierry: Darauf sollten wir nun wirklich nochmals anstossen. Zum Wohl!

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